Ganzheitliche Indikatoren für die Mehrwerte der Berglandwirtschaft
Das EIP Agri Projekt „Mehrwert Berglandwirtschaft“ wurde von einer Gruppe engagierter LandwirtInnen und WissenschaftlerInnen der Region Nationalpark Kalkalpen initiiert (siehe Kasten). Ziel ist es, innovative Möglichkeiten zur monetären Bewertung von Ökosystemleistungen und anderen gesellschaftlichen Mehrwerten der Berglandwirtschaft zu entwickeln. Das soll dem seit Jahrzehnten andauernden Rückgang von landwirtschaftlichen Betrieben in Berggebieten entgegenwirken und die vielfältigen Leistungen der Berglandwirtschaft jenseits der reinen Produktion von Nahrungsmitteln in den Vordergrund stellen.

Weitere Informationen zum Innovationsprojekt “Mehrwert Berglandwirtschaft”.
Das Umweltbüro Klagenfurt wurde beauftragt, ein Bewertungskonzept zu entwickeln, das die Mehrwerte der Berglandwirtschaft möglichst umfassend und vollständig beschreibt und das die quantitative Bewertung von Betrieben auf Basis von existenten landwirtschaftlichen Daten erlaubt.
Zu diesem Zweck wurde zusammen mit der Projektgruppe ein Modell erstellt, das die Berglandwirtschaft in eine Fusion von drei etablierten Konzepten – Ökosystemleistungen nach CICES, ökonomischer Gesamtwert nach TEEB und Biodiversität – einordnet (siehe Abbildung 1).

Für den Mehrwert Berglandwirtschaft sollen Indikatoren gefunden werden, die möglichst ohne zusätzlichen Mehraufwand (also auf Basis bestehender landwirtschaftlicher Daten) zuverlässige Aussagen über die Ökosystem-Leistungen und zusätzliche Mehrwerte von Betrieben erlauben; also über ihre überdurchschnittlichen gesellschaftlichen Beiträge zur
- Versorgung (Lebensmittel, Material, Energie…),
- Regulierung (Wasserhaushalt, Klima, Bodenfruchtbarkeit, Nützlinge…),
- Kultur (Landschaftsbild, Erholung, Bildung, Spiritualität…),
- Erhaltung von Optionen (Krisenvorsorge, Züchtung, Innovation),
- von Vermächtnis (Ahnenerbe, altes Wissen und Handwerk, Mensch-Tier-Beziehung),
- Altruismus (Soziales, Tierwohl),
- ihrem Existenzwert (Wert an sich und Grad der Gefährdung) und
- der Biodiversität (Vielfalt des Lebens).
Unter der Leitung von DI Wolfgang Ressi und Mag. Daniela Selva hat die Projektgruppe eine Liste von 13 Indikatoren erstellt. Diese basieren auf nachweisbaren Unterschieden in der Bewirtschaftung, auf die BetriebsleiterInnen Einfluss nehmen können. Diese Indikatoren haben laut wissenschaftlicher Literatur und Praxiserfahrungen positive Auswirkungen auf die genannten Mehrwerte und repräsentieren Ökosystemleistungen. Negativ Aspekte wie der Verbrauch fossiler Energie werden in diesem Indikatoren-Schema nicht berücksichtigt, weshalb sie als “positiv holistische Indikatoren” bezeichnet werden.