Operationalisierung der regionalen Verwundbarkeit der Energiewende

Progress report 3a: Konzeptionalisierung der Verwundbarkeit und Operationalisierung des flächendeckenden Resilienzkonzepts

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AUTOR/INNEN

Mag. Andreas Exner (EB&P Umweltbüro GmbH), DI Julian Matzenberger (EEG TU Wien), DI Dr. Rosemarie Stangl

ABSTRACT

Je weniger verwundbar und je anpassungsfähiger eine Region ist, desto resilienter ist ihre Lebensqualität gegenüber Peak Oil und vergleichbaren Stressoren. Die Komponenten von Verwundbarkeit und Anpassungsfähigkeit sind erstens die Infrastruktur im weiteren Sinne, zweitens das sozio-ökonomische System im engeren Sinne. Beide hängen zusammen, Resilienz wird durch die Komponenten bestimmt, die jeweils am schlechtesten gegenüber dem theoretischen Idealbild der Resilienz ausgebildet sind (“Minimumgesetz der Resilienz”).

Peak Oil stellt die Regionen vor eine vielfache Herausforderung im Ausmaß des Übergangs vom Feudalsystem zur Marktwirtschaft. Weil fossile Ressourcen eine wesentliche Voraussetzung der Wachstumsorientierung der konventionellen Wirtschaft sind, die nach Peak Oil in Bedrängnis gerät, und weil eine Wachstumskrise unter ihren Voraussetzungen den Übergang zu Erneuerbaren erschwert, ist es notwendig, eine Solidarische Postwachstumsökonomie zu entwickeln. Eine solche Ökonomie beruht auf einem hohen Maß sozialer Gleichheit, erstens weil soziale Gleichheit der wichtigste Faktor für Gesundheit und Wohlbefinden in reichen Ländern ist, zweitens weil soziale Gleichheit den Zwang zum Statuskonsum und damit einen wesentlichen Verbrauchstreiber mildert, drittens weil soziale Gleichheit die nötige Outputreduktion und den Übergang in eine stationäre Ökonomie erleichtert. Die Lebensqualität einer Region ist folglich umso resilienter,

» je geringer der Verbrauch fossiler Ressourcen ist und je besser Öffis ausgebaut sind

» je besser die Lagerhaltung bei Brennstoffen und Nahrungsmitteln und je höher die regionale Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln ist

» je besser die Ausstattung mit Sozial- und Bildungseinrichtungen, je höher die Arztdichte ist

» je weltoffener, toleranter, demokratischer und fremdenfreundlicher sie ist, je mehr sie Menschenrechte respektiert und allen Gruppen gleiche Teilhabe/Mitgestaltung ermöglicht

» je mehr ihre Betriebe ein starkes Sozialkapital aufweisen (Genossenschaften u.ä.), und je mehr sozial innovative Gruppen (CSA, Food Coops, Bürgerinitiativen etc.) es gibt

» je besser handwerkliche, landwirtschaftliche, soziale und kommunikative Skills und Kompetenzen im Bereich Erneuerbare ausgebildet sind und je mehr “Change Agents” es gibt

» je höher das BIP/Kopf und die Kaufkraft/Kopf sind, je geringer das Verhältnis von Schulden zu Einnahmen ist, und je krisensicherer die Einnahmen der öffentlichen Hand sind (wenig Massen- und Energiesteuern); je vielfältiger, dynamischer, stabiler und ausgewogener die Wirtschaft ist,  je weniger Firmen von globalen Finanzmärkten abhängen

» je gleicher Einkommen, Vermögen und Ressourcenbesitz verteilt sind, je höher die Lohnquote und je besser das Arbeitsplatzangebot sind

» je intensiver, vielfältiger und kritischer die öffentliche Debatte zu gesellschaftlichen Problemlagen wie Peak Oil ist und wenn Notfallspläne existieren.

EXECUTIVE SUMMARY

Resilienz, Verwundbarkeit (Vulnerabilität) und Anpassungsfähigkeit bilden ein Begriffstrio, das einen spezifischen Diskurs der Resilienz markiert. Dieser Diskurs ist kritisch zu hinterfragen, insoweit er eine Auslagerung von Verantwortung vom Staat hin zu Gemeinschaften und Individuen bezeichnet, ohne dass damit eine entsprechende Umverteilung von Ressourcen und Kompetenzen der Kontextsteuerung einhergeht.

Dazu kommt, dass kein wissenschaftlicher Konsens einer Definition von Resilienz besteht und keine präzise Ableitung von Resilienzindikatoren für die Gegenwart, noch weniger für das Jahr 2020 und 2050 möglich ist. Dennoch kann Resilienz operationalisiert werden, indem man sie auf die Lebensqualität bezieht, die unabhängig von fossilen Ressourcen und anderen Stressoren aufrecht erhalten und wenn möglich gesteigert werden soll. Resilienz bezeichnet demnach die Fähigkeit einer Reaktion auf das Unplanbare und das nicht Geplante, sodass Daseinsgrundfunktionen gesichert und Lebensqualität erhalten wird.

Resilienz wird im vorliegenden Bericht als Anpassungsfähigkeit in Relation zu Verwundbarkeit gefasst. Indikatoren der Resilienz sind daher entweder solche einer hohen Anpassungsfähigkeit (der Lebensqualität) an Peak Oil und vergleichbare Krisenphänomene oder einer geringen Verwundbarkeit (der Lebensqualität) gegenüber solchen Krisen. Resilienz ist damit grundsätzlich dynamisch gefasst und enthält eine starke Komponente sozio-ökonomischer Innovation, die für eine hohe Anpassungsfähigkeit notwendig ist. Hohe Resilienz beruht daneben auf der Fähigkeit einer Gesellschaft, die für die Anpassung notwendigen Strukturen und Ressourcen aufrechtzuerhalten (geringe Vulnerabilität).

Indikatoren der Resilienz sind daher Variablen, die

(1) eine geringe Vulnerabilität der Lebensqualität angesichts Peak Oil und vergleichbarer Krisenphänomene anzeigen und

(2) eine hohe Anpassungsfähigkeit an die durch Peak Oil und vergleichbare Krisenphänomene neu geschaffenen strukturellen Voraussetzungen anzeigen, sodass Lebensqualität erhalten und wenn möglich sogar gesteigert wird.

Der Bezug zu den Daseinsgrundfunktionen ist wesentlich, nachdem die Resilienz des Energiesystems als solche kein Ziel darstellt. Energie ist, im Sinn einer Dienstleistung, immer nur Mittel zu einem bestimmten Zweck, nämlich Lebensqualität. Diese beruht wesentlich – allerdings nicht allein – auf den Daseinsgrundfunktionen.

Peak Oil wird aller Voraussicht nach weitreichende Veränderungen des sozio-ökonomischen und technischen Systems bewirken. Die Grenzen der Verfügbarkeit von Metallen, der Klimawandel, demografischer Wandel und Umbrüche in der internationalen Arbeitsteilung dürften diese Veränderungen zum Teil intensivieren. Das sozio-ökonomische und technische System zentriert sich um eine Produktionsweise, die durch Lohnarbeit, Marktwirtschaft und die Trennung von Ökonomie und Politik charakterisiert ist. Grundlegendes Strukturmerkmal dieser Produktionsweise ist ein wirtschaftlicher Wachstumsdrang und -zwang, der mit einer weitgehenden Entkoppelung von demokratischen Entscheidungen einher geht.

Diese kapitalistische Produktionsweise ist schon aufgrund innerökonomischer Gründe in hohem Maße krisenanfällig  – mehr noch angesichts ökologischer und anderer Stressoren. Peak Oil wird aller Voraussicht nach den spezifischen Zweck dieser Produktionsweise, den Profit beeinträchtigen und das Wachstum des Gesamtkapitals einschränken oder umkehren. Ein Kollaps von Teilen der Produktion und daran gebundener Infrastrukturen ist möglich.

Nachdem Lebensqualität unter den Voraussetzungen dieser spezifischen Produktionsweise an den Produktionszweck Profit gebunden ist, bedeutet eine solche Krise die Gefahr einer dramatischen Verschlechterung von Lebensqualität und der verstärkten Missachtung völkerrechtlich für Österreich verbindlicher menschenrechtlicher Verpflichtungen wie zum Beispiel zur Sicherung einer guten Ernährung aller Menschen (UN-Sozialpakt).

Dazu kommt, dass die Energiewende selbst Investitionen erfordert, die unter kapitalistischen Bedingungen aus Profiten finanziert werden und auf Profiterwartungen beruhen, die im notwendigen Maß voraussichtlich nur bei einem Nettowachstum des gesellschaftlichen Gesamtkapitals  gegeben sind. Davon abgesehen ist die Investition von Energie und Stoffen notwendig, die unter der Voraussetzung eines bedeutenden Energieverbrauchs vor allem aus nicht-erneuerbaren Quellen bezogen werden müssen. Die Erfüllung dieser beiden Investitionserfordernisse ist nach Peak Oil voraussichtlich gefährdet oder beeinträchtigt.

In einer großen Krise kommt es zu bedeutenden Verschiebungen in gesellschaftlichen Kräfteverhältnissen und zu institutionellen Neuerungen. Die Art dieser Veränderungen entscheidet über das Ausmaß an Resilienz der Lebensqualität, wie Fallstudien in Hinblick auf historische Energiekrisen zeigen (Nordkorea, Japan, Kuba, US-Südstaaten). Bis zu einem gewissen Grad können auch sozio-ökonomische Krisen, wie sie am Beispiel von Detroit, Brasilien, Argentinien und Venezuela untersucht worden sind, Anhaltspunkte für Faktoren von Resilienz geben. Eine Schlüsselrolle spielt dabei soziale Gleichheit, die eine sozio-ökonomische Anpassung an Peak Oil und ähnliche Stressoren erleichert.

Ein Mehr an sozialer Gleichheit geht tendenziell mit mehr Reziprozität bzw. Sozialkapital, Vertrauen, Kooperation, Sorge um die Umwelt, sozialer Verantwortlichkeit und Demokratie einher. Soziale Gleichheit reduziert die Statuskonkurrenz und damit einen bedeutenden Teil des (Strebens nach) Warenkonsum und des durchschnittlichen Arbeitspensums (und damit Outputs) in einem Land. Soziale Gleichheit ist im Vergleich reicher Länder der wichtigste Faktor für Gesundheit und Wohlbefinden. Das absolute Reichtumsniveau ist dagegen nicht relevant. Dieses hat lediglich auf Gesundheit und Wohlbefinden in Ländern mit niedrigem Durchschnittseinkommen gewissen Einfluss, der bei mittlerem Einkommen unbedeutend wird. Eine hohe Lebensqualität hängt nicht von einem hohen Energieverbrauch oder fossilen Ressourcen ab. Entscheidend ist die soziale Gleichheit.

Der Prozess der Anpassung besteht in der Diffusion und Durchsetzung sozialer Basisinnovationen, die sich von der bestehenden Produktions- und Regierungsweise abheben und auf Gemeingütern (Commons) beruhen, die die Prinzipien der Gleichheit, Reziprozität, Demokratie und der Kooperation vereinen. Sie bilden Solidarische Ökonomien, die den Wachstumsdrang und -zwang einschränken oder aufheben. Soziale Basisinnovationen entstehen in Nischen, die mit Indikatoren beschrieben werden können.

Insgesamt gesehen spielen Reziprozität bzw. Sozialkapital, also das Netz sozialer Beziehungen in einer Region im Unterschied zu Markttransaktionen, eine Schlüsselrolle für die Resilienz, wie auch ein Überblick der wissenschaftlichen Literatur zur Resilienz zeigt. Sozialkapital ist für die Handlungsfähigkeit und Wirksamkeit staatlicher Institutionen wesentlich, es kann teilweise Notfallsfunktionen übernehmen, wenn staatliche Institutionen unwirksam oder geschwächt werden, was in Krisen häufig der Fall ist. Sozialkapital erhöht als solches die Lebensqualität und ist damit eine wichtige Komponente zur Entkoppelung von Lebensqualität und (fossilem) Energieverbrauch. Sozialkapital ist für technische Innovationen entscheidend. Sozialkapital umfasst drei Komponenten: Bonding-Sozialkapital besteht in relativ homogenen Gruppen (z.B. Familie, einzelne Vereine), Bridging-Sozialkapital besteht zwischen ethnisch, religiös, sprachlich, kulturell etc. unterschiedlichen Gruppen (z.B. verschiedenen Religionsgemeinschaften, MigrantInnen und der Aufnahmegesellschaft), Linking-Sozialkapital beschreibt die Beziehungen zu mächtigeren Akteuren. Bonding-Sozialkapital kann für sich genommen vielfach auch negative Effekte (Eliteverhalten, Insiderclubs, Innovationshemmnisse) zeitigen, entscheidend für die Resilienz ist dagegen das Bridging-Sozialkapital. Auch Linking-Sozialkapital ist wichtig.

Sozialkapital selbst hängt weitgehend vom Niveau sozialer Gleichheit ab.

Vielfalt wird in der Resilienzliteratur allgemein als resilienzfördernd, Top-Down- und Kommandobeziehungen werden als resilienzmindernd eingestuft. Flexible kollektive Problemlösungs- und Handlungsfähigkeit, die auf Vielfalt und kritischem Denken beruhen, werden als bedeutend wichtiger eingestuft als Sicherheits- und Notfallspläne. Dies gilt insbesondere für schwerwiegende Krisendynamiken und komplexe Krisen.

» Die Resilienz kann relativ im Vergleich von Regionen beurteilt werden, muss jedoch zuerst absolut gefasst werden. Dies erfordert ein Benchmarking, das sich an einem absoluten, normativen Standard orientiert. Als ein solcher wird eine Solidarische Postwachstumsökonomie vorgeschlagen, die soziale Gleichheit und Unabhängigkeit der Lebensqualität von fossilem Ressourcenkonsum in hohem Maß verwirklicht.

» Die Lebensqualität einer Region ist umso resilienter gegenüber Peak Oil und vergleichbaren Stressoren, je geringer ihr Transportbedarf und die Bedeutung von PKWs im Modal Split ist, insbesondere von solchen, die fossil betrieben werden, und je höher der Anteil von RadfahrerInnen und FußgängerInnen liegt. Die Resilienz ist umso höher, je besser Öffis ausgebaut sind, je mehr Reservekapazitäten sie aufweisen und je weniger sie von fossilen Ressourcen abhängen. Die Resilienz steigt ganz allgemein mit den Möglichkeiten fossilunabhängiger Traktion und Mobilität.

» Die Lebensqualität einer Region ist umso resilienter gegenüber Peak Oil und vergleichbaren Stressoren, je geringer der durchschnittliche Heizwärmebedarf und der Anteil schlecht isolierter Gebäude sind. Die Resilienz ist umso höher, je mehr Erneuerbare den Heizenergiebedarf decken und je höher das Potenzial der Erneuerbaren für weiteren Ausbau liegt.

» Die Lebensqualität einer Region ist umso resilienter gegenüber Peak Oil und vergleichbaren Stressoren, je geringer der Pro-Kopf-Stromverbrauch, je höher der Anteil von Erneuerbaren am Gesamtstromverbrauch und je größer die Ausbaupotenziale erneuerbaren Stroms sind.

» Die Lebensqualität einer Region ist umso resilienter gegenüber Peak Oil und vergleichbaren Stressoren, je geringer der Anteil fossiler Energieträger am gesamten Energieverbrauch einer Region liegt.

» Die Lebensqualität einer Region ist umso resilienter gegenüber Peak Oil und vergleichbaren Stressoren, je geringer ihre Anfälligkeit gegenüber dem Klimawandel, je regionaler ihre Brennstoffversorgung organisiert und je näher sie einer idealen Ausstattung mit Notstromaggregaten und Energievorräten kommt.

» Die Lebensqualität einer Region ist umso resilienter gegenüber Peak Oil und vergleichbaren Stressoren, je besser die Erreichbarkeit von Einrichtungen des Gesundheits-, Bildungs-, Kinderbetreuungs- und Postwesens ist. Sie ist umso höher, je mehr Begegnungs- und Kommunikationszentren existieren und je eher sich die Arztdichte dem optimalen Versorgungszustand annähert. Die Resilienz ist umso höher, je weniger Gesundheits- und Notfallseinrichtungen sowie Pflegeeinrichtungen von fossiler Energieversorgung abhängen und je mehr Multi-Unit-Wohneinheiten es gibt. Die Resilienz mit dem Anteil und dem Potenzial zur regionalen Selbstversorgung mit Lebensmitteln, einerseits über landwirtschaftliche Betriebe in der Region, andererseits über Subsistenzaktivitäten. Die Resilienz ist umso höher, je eher die Vorratshaltung dem Idealzustand entspricht.

» Die Lebensqualität einer Region ist umso resilienter gegenüber Peak Oil und vergleichbaren Stressoren, je toleranter, weltoffener, vertrauensvoller, fremdenfreundlicher und kooperativer sie ist. Ihre Resilienz ist umso höher, je stärker sie Menschenrechte respektiert und alle ethnischen, religiösen, sprachlichen, sexuellen und sozialen Gruppen auf gleicher Augenhöhe an ihr teilhaben können und ihre Entwicklung demokratisch mitgestalten. Die Resilienz ist umso höher, je besser organisiert die Menschen über alle ethnischen, religiösen, sprachlichen, sexuellen und sozialen Gruppen hinweg sind und je ausgewogener und stärker ihr Zugang zu übergeordneten Machtressourcen und Entscheidungskompetenzen ist (zum Beispiel auf Bundesebene). Die Resilienz ist umso höher, je mehr die Betriebe einer Region zu einem sozialkapital-dominierten Typ gehören (z.B. Genossenschaften, insbesondere solche mit hohem Grad an interner Demokratie). Die Resilienz ist umso höher, je stärker Menschen sich an politischen Wahlen beteiligen und je besser die innerbetriebliche, mit Rechten versehene Demokratie ausgebildet ist.

» Die Lebensqualität einer Region ist umso resilienter gegenüber Peak Oil und vergleichbaren Stressoren, je mehr Menschen sich in Klima- und Energiefragen engagieren, je besser handwerkliche und landwirtschaftliche sowie kommunikative und soziale Skills verbreitet sind und je mehr Personen technische Kompetenzen in Hinblick auf Erneuerbare Energien haben.

» Die Lebensqualität einer Region ist umso resilienter gegenüber Peak Oil und vergleichbaren Stressoren, je höher die Leistung der regionalen Wirtschaft und je geringer ihre Außenorientierung, insbesondere auch der Landwirtschaft. (Die Leistung der regionalen Wirtschaft fällt übrigens nur zum Teil in den Bereich der konventionellen Wirtschaft und wurde hier aus pragmatischen Gründen eingeordnet.) Die Resilienz ist umso größer, je geringer die spezifischen Handlungszwänge der konventionellen Wirtschaft ausgebildet sind (geringe Bedeutung aktiennotierter Firmen, geringer Verschuldungsgrad). Die Resilienz ist umso höher, je vielfältiger die konventionelle Wirtschaft ist. Je größer die Einsparungspotenziale im fossilen Energieverbrauch sind, desto eher kann sie sich an Peak Oil anpassen (gleichzeitig ist sie umso resilienter, je geringer der absolute fossile Energieverbrauch ist; der Optimalfall ist der völlige Verzicht auf fossile Ressourcen). Die Resilienz ist umso höher, je mehr sich landwirtschaftliche und handwerkliche Produktion dem Optimalwert annähert. Auch inländische Kapazitäten zur Dünger- und Medikamentenproduktion sind von Vorteil (und kommen dann allen Regionen potenziell zugute). Je dynamischer und stabiler die konventionelle Wirtschaft ist, desto weniger verwundbar ist die Lebensqualität einer Region gegenüber Peak Oil und vergleichbaren Stressoren. Die Resilienz steigt je geringer die Konzentration von Energieversorgungsunternehmen ist. Sie steigt, je höher die Gleichheit der Einkommen, der Vermögen und des Ressourcenbesitzes, und je höher die Lohnquote ist (abzüglich der unter bestimmten Voraussetzungen notwendigen Profite für die Energiewende, auf dem Weg zu einer Solidarischen Postwachstumsökonomie). Die Resilienz ist umso größer je besser das Arbeitsplatzangebot und je niedriger die Erwerbslosenquote ist.

» Die Lebensqualität einer Region ist umso resilienter gegenüber Peak Oil und vergleichbaren Stressoren, je größer die Anzahl potenzieller “Change agents” im Energiebereich ist. Sie hängt insbesondere auch davon ab, wie gut regionale Energie- und Sozialinitiativen ausgebildet sind und wieviele sozial innovative Gruppen es gibt. Die Resilienz ist umso höher je weniger Menschen von Armut betroffen sind und je mehr frei verfügbares Haushaltseinkommen und Kaufkraft existiert. Die Resilienz ist umso höher je geringer der Schuldenstand der Körperschaften und Haushalte in Relation zu ihren Einnahmen ist, und sie steigt, je weniger die Einnahmen von der Besteuerung des Energieverbrauchs (und von Fossilen im Besonderen) abhängen und je weniger sie auf Massensteuern beruhen (Steuern auf Kapital, Spitzeneinkommen und Großvermögen sind vorteilhafter). Die Resilienz steigt je eher Notfallspläne existieren.

» Die Lebensqualität einer Region ist umso resilienter gegenüber Peak Oil und vergleichbaren Stressoren, je intensiver die öffentliche Kommunikation zu relevanten Problemlagen erfolgt und je vielfältiger die darin vertretenen Perspektiven sind. Die Resilienz steigt mit dem Grad der Interoperabilität der Kommunikation zwischen Notfallseinrichtungen und je mehr Information hinsichtlich Peak Oil und vergleichbaren Stressoren in der Region zirkuliert.

Eine genaue Liste der Resilienzindikatoren gibt Kapitel 13.

March 8, 2013Permalink

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